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Home Ratgeber Vorsorge-Kompass
Brunnen in der Natur

Notwasser – Was tun, wenn die Vorräte zur Neige gehen?

22. April 2026
Reading Time: 8 mins read
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Im letzten Beitrag ging es darum, wie viel Wasservorrat man für sich und seine Liebsten bereithalten sollte. Aber was, wenn der Vorrat langsam zur Neige geht? Was, wenn man doch mehr verbraucht hat als geplant? Oder was, wenn Besuch von Freunden und Familie kommt, da diese ihre Reserven bereits aufgebraucht haben und um Hilfe bitten?

Alles legitime Fragen, auf die man eine Antwort parat haben sollte. Im Detail heißt das:

  • Wo bekomme ich Wasser her, wenn nicht aus dem Wasserhahn oder dem Supermarkt?
  • Was sind die Risiken der verschiedenen Orte, an denen man Wasser findet und wie beurteilt man die Lage?
  • Welche Möglichkeiten der Reinigung habe ich, um es gefahrlos zu verwenden?

Mögliche Wasserquellen und ihre Gefahren:

Städtische Notbrunnen

Diese werden in Krisenfällen in Betrieb genommen. Man muss jedoch mit langen Warteschlangen rechnen. Da es ums Überleben geht, sind dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, oft starke Emotionen im Spiel – erst recht, wenn das Wasser rationiert ist. Man sollte sich also auf mögliche Spannungen oder Streitigkeiten einstellen.

Bach- und Flussläufe:

Fließendes Wasser sieht verlockend aus, ist aber in Zeiten von Großindustrie und Landwirtschaft riskant. Ohne Reinigung sollte man dieses Wasser niemals trinken. Es kann Verunreinigungen aus der Industrie (Chemikalien), der Landwirtschaft (Pestizide) oder Krankheitserreger wie Fäkalkeime, Salmonellen und Parasiten enthalten. Wenn Wasser entnommen werden muss, sollte dies immer aus der Hauptströmung (aktiv bewegtes Wasser) geschehen sowie knapp unter der Oberfläche. Meiden Sie stehende Randbereiche, in denen kein Wasseraustausch stattfindet, da sich dort Krankheitserreger und Schadstoffe massiv konzentrieren können.

Muss man Wasser entnehmen, dann immer aus fließenden Gewässern statt aus und nicht aus stehenden, da sich hier alles sammelt das man nicht im Trinkwasser möchte.

Quellen:

Wer eine Quelle in der Nähe hat, wähnt sich oft in Sicherheit. Doch auch Grundwasser kann durch Fabriken, Landwirtschaft oder verendete Tiere oberhalb der Quelle belastet sein. In unberührter Natur, wie im Hochgebirge, ist Quellwasser meist sicher. In der Nähe von Städten oder Straßen sollte man jedoch vorsichtig sein.

Regenwasser:

Regenwasser sammelt auf dem Weg zum Boden alles auf, was sich in der Luft befindet: Feinstaub, Abgase und industrielle Rückstände.  Zudem hat es einen niedrigen PH-Wert (sauer) und enthält keine Mineralien, da das Wasser noch ungesättigt ist. Wer sich normal ernährt, hat kurzfristig kein Problem damit. Bei Nahrungsmangel kann Regenwasser dem Körper jedoch Mineralien entziehen, da sich das Regenwasser sättigt, sobald es auf diese trifft. Man sollte es daher idealerweise reinigen und mit Elektrolyten versetzen bevor man es trinkt.


Möglichkeiten der Reinigung und Aufbereitung

Heutzutage gibt es unzählige Anbieter von Wasseraufbereitungslösungen. Die allermeisten ähneln einander und weichen nur geringfügig voneinander ab. Andere wiederum unterscheiden sich stark und nutzen verschiedene Methoden, wie zum Beispiel Aktivkohlefilter im Vergleich zu Umkehrosmoseanlagen. Daneben gibt es klassische Aufbereitungsmethoden, die sich schon seit jeher bewährt haben. Ich habe nachfolgend die wichtigsten und grundlegendsten Arten für eine Notsituation zusammengetragen. Es sei angemerkt, dass viele moderne Filter für den Heimgebrauch elektronisch betrieben werden; diese finden hier keine Erwähnung.

Schwerkraft-Ativkohlefilter:

Diese Systeme sind sehr effektiv. Man füllt oben Wasser ein, das dann durch Aktivkohle und weitere Schichten sickert und am Ende gereinigt und sauber wieder herauskommt.

Was wird gefiltert: Chlor, Pestizide, Medikamentenrückstände, Hormone, Schwermetalle, Mikroplastik sowie Geruchs- und Geschmacksstoffe.

Was nicht: Bakterien (dafür wird ein zusätzlicher Keramikfilter benötigt), Nitrat und Nitrit. Achte beim Kauf darauf, ob ein Keramik-Element integriert ist.

DIY-Filter (Notlösung):

In einer Notsituation baut man aus einer aufgeschnittenen Flasche einen Schichtenfilter:
Unten ein Tuch im Hals, dann verbrannte, zerstoßene Holzkohle, dann Sand und oben Kies. Das Wasser wird so mechanisch gereinigt, muss aber danach unbedingt abgekocht oder mit einer anderen Methode – wie unten beschrieben – entkeimt werden.

Elektronische & am Hahn montierte Filter:

Diese sind im Alltag komfortabel, in der Krise jedoch oft nutzlos, wenn der Wasserdruck in der Leitung fehlt oder der Strom ausfällt.

Mechanische Ourdoor-Filter (MSR Guardian):

Der MSR Guardian wurde ursprünglich für das Militär entwickelt und nutzt ganz klassisch eine Handpumpe. Durch die extrem feine Hohlfasermembran filtert er sogar Viren, Bakterien und Protozoen heraus und ist äußerst effektiv beim Filtern von extrem verschmutztem Wasser.

Nachteil: Er entfernt kaum Chemikalien, Pestizide oder Schwermetalle. Auch Geschmack und Geruch bleiben oft enthalten.

Chemische Reinigung (Micropur):

Micropur Classic (Blau): Hält sauberes Wasser durch Silberionen keimfrei (konserviert).

Micropur Forte (Rot): Enthält zusätzlich Chlor und tötet Bakterien, Viren und viele Parasiten ab. Die Einwirkzeit beträgt bis zu 120 Minuten.

Nachteil: Chemikalien, Schwermetalle sowie Nitrat und Nitrit bleiben jedoch vollständing im Wasser enthalten.

Abkochen:

Das Abkochen ist die zuverlässigste Methode, um alle Krankheitserreger unschädlich zu machen. Sobald das Wasser kocht, sind Krankheitserreger tot – ohne Wartezeit. Aber Achtung: Chemische Rückstände oder Schwermetalle werden durch Kochen nicht entfernt, sondern können sich durch das verdampfende Wasser sogar konzentrieren.

UV-Licht (Steripen):

Ein handliches Gerät, ähnlich einer Taschenlampe, das UV-C Strahlen nutzt, um Keime abzutöten. Es verändert den Geschmack nicht, benötigt klares Wasser, damit das Licht alle Stellen erreicht. Gegen Chemie ist auch der Steripen wirkungslos. Zudem sollte man bedenken, dass er Batterien benötigt.

Destillation:

Die Destillation gilt als die reinste Form der Wasseraufbereitung, da sie die Entfernung von Schadstoffen mit der Abtötung von Krankheitserregern kombiniert. Dabei wird Wasser verdampft und das Kondensat aufgefangen.

Was wird gefiltert: Schwermetalle, Salze (ideal zur Meerwasserentsalzung), Bakterien, Viren und Parasiten. Da die meisten Schadstoffe schwerer als Wasserdampf sind, bleiben sie am Boden des Gefäßes zurück.

Was nicht: Chemikalien mit ähnlichem oder niedrigerem Siedepunkt als Wasser (z. B. manche Pestizide oder Lösungsmittel). Diese verdampfen mit und sammeln sich im Auffangbehälter wieder an. Besondere Vorsicht gilt bei Quecksilber: Es verbleibt zwar teils im Rückstand des Ausgangsgefäßes, die giftigen Dämpfe können jedoch während des Prozesses eingeatmet werden.

Nachteil: Das Verfahren ist extrem zeit- und energieaufwendig. In den meisten Alltagssituationen lohnt es sich kaum, ist aber als Notlösung – wenn keine anderen Filter zur Verfügung stehen – eine überlebenswichtige Alternative die, man wenigstens kennen sollte.


Fazit:

Da es sich beim Notwasser um Extremsituationen handelt, auf die wir im besten Fall nie zurückgreifen müssen, ist es trotzdem ratsam, über die oben genannten Arten der Wasseraufbereitung Bescheid zu wissen. Wasser ist – neben Luft zum Atmen – das wichtigste Element, das man dem Körper in kurzen Abständen zuführen muss, um zu überleben.

Idealerweise hat man deshalb beide Arten der Wasserreinigung parat:

  1. Einen Aktivkohlefilter (ideal mit integriertem Keramikfilter).
  2. Micropur Forte, einen Steripen oder einen Gaskocher (um Wasser abzukochen).

Wenn man beides besitzt, sollte man im Ernstfall unbedingt die richtige Reihenfolge beachten:

  1. Erst den Filter nutzen, um Trübungen und chemische Rückstände zu entfernen.
  2. Danach das Wasser abkochen, Micropur Forte hinzugeben und den Steripen benutzen, um die restlichen Krankheitserreger abzutöten.

Damit reduziert man das Risiko durch kontaminiertes Wasser so weit wie möglich, um sicher durch eine Notlage zu kommen und nicht zu verdursten. Ich hoffe natürlich, dass wir nie in eine Situation geraten, in der wir auf das Wissen angewiesen sind.

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